Tageslosung

Freitag, 14. Mai 2021
Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles.
Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat seine Herrschaft angetreten! Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben.

Predigt zu Röm 8,12-17 und Taufansprache am 28.8.2016

Taufansprache zu „Dir gehört mein Herz“
Liebe Taufeltern, liebe Paten, liebe Taufgemeinde,
wenn wir jetzt gleich Paulina, Moritz und Tiana taufen, dann geschieht etwas Großartiges, aber auch Geheimnisvolles. Der Grund und Schöpfer allen Lebens verbindet sich für immer mit diesen drei Kindern und macht sie zu seinen Kindern. Zwar hat er schon mit ihrer Geburt ja zu ihrem Leben gesagt, aber heute bekommen sie darauf mit ihrer Taufe noch einmal Brief und Siegel für sein Versprechen sie für immer durch ihr Leben zu begleiten. Das kommt besonders gut in den beiden Taufsprüchen von heute, die es mit „dem Behüten“ zu tun haben zum Ausdruck:

Für Tiana: Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Ps 91,11 und für Moritz: Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Ps 17,8. Gott wird die Kinder nicht vor allem schweren oder jeder Krankheit oder Leid bewahren können, aber er wird als Kraft und Hoffnung und Quelle des Lebens immer bei ihnen sein und ihnen in allen Lebenslagen beistehen. Und damit sind wir auch schon beim Taufspruch von Paulina. Da bekennt der Beter aus Ps 36: Bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Ps 36,10
Wer Kontakt und Zugang zu dieser Quelle des Lebens hat, wird nicht im Dunkeln tappen, sondern Gottes Licht als Orientierung und Hoffnung im Leben haben.
Damit dies auch gelingt, damit Paulina, Tiana und Moritz auch etwas davon haben, damit diese Hoffnung in ihrem Leben ihre Kraft entfalten kann, müssen die Kinder immer wieder von dieser Kraft des Lebens erzählt bekommen. Sie versprechen das gleich als Paten und Eltern, den Kindern von Gottes Liebe zu erzählen, ihnen vorzuleben, was Liebe heißt. Und wir als Kirchengemeinde versprechen Ihnen, dass wir sie dabei nach Kräften unterstützen, dass die Kinder mit einer Grundhoffnung durch ihr Leben gehen können und von der bedingungslosen Liebe Gottes erfahren. Krabbelgruppen und Krabbelgottesdienst, Kindergottesdienst und Reliunterricht, Hoffnungstankstellen genannt Gottesdienste am Sonntag, der Konfirmandenunterricht, die vielfältigen Angebote der Jugendarbeit und wenn sie mögen seelsorgerliche Begleitung durch uns Pfarrer.
All das dient dazu, dass die Kinder, die wir heute taufen erfahren, dass Gott ihnen sein Herz schenkt. So wie wir das gleich singen werden. Das Lied: Dir gehört mein Herz ist aus dem Disneyfilm Tarzan. Es wird im Film gesungen von der Gorillamutter Kala als sie das kleine Baby Tarzan im Dschungel findet. Ihre Herde ist dagegen, dass diesem Menschenjungen geholfen wird, haben doch viele Menschen unzählig viel Leid über die Tiere gebracht. Aber Kala hört auf ihr Herz und erkennt in diesem Lied, dass bei aller Verschiedenheit doch die Sprache des Herzens die Gleiche ist. Sie nimmt Tarzan auf und verspricht, ihn zu beschützen. Das Misstrauen zwischen Gorillas und Menschen wird überwunden durch ihre Liebe zu dem kleinen Menschenbaby.
So sagt es heute auch Gott zu unseren Täuflingen, Moritz, Paulina und Tiana: Euch gehört mein Herz, von heute an sind wir unzertrennlich und ich will euch behüten. Amen.
Hören und singen sie dieses Lied heute also aus der Perspektive Gottes, für unsere Täuflinge, aber fühlen Sie sich bitte auch selbst mit diesen Worten von Gott angesprochen.


Predigt zu Röm 8,14-17
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Röm 8,12-17
Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.
Liebe Gemeinde!
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie erhalten den Brief eines Notars. Dass der Name des Notars Paulus ist und seine Kanzlei sich in der Römerstraße 8 befindet, fällt Ihnen gar nicht weiter auf. Sie grübeln darüber nach, um was es sich handeln könnte. Eine Testamentseröffnung vielleicht. Aber Ihnen ist nicht bekannt, dass ein Verwandter verstorben sei. Sie könnten eine kleine Finanzspritze durchaus gebrauchen. In mancher Hinsicht haben Sie Fehler gemacht. Schulden haben sich angehäuft.
Zum angegebenen Termin finden Sie sich bei der angegebenen Adresse ein und der Notar macht Ihnen folgende Eröffnung: Schon vor Jahren, genau genommen bald nach der Geburt, seien Sie von seinem Mandanten an Kindes Statt angenommen. Er habe Sie damals mit dem Einverständnis Ihrer Eltern adoptiert, ohne dass dadurch die Rechte oder Pflichten Ihrer Eltern berührt gewesen seien. Bisher habe er sich im Hintergrund gehalten, aber ihren Werdegang aufmerksam verfolgt und - wo es angebracht schien - seine Hand über Sie gehalten. Er wolle Sie nun wissen lassen, dass Sie über Ihr Erbe verfügen können, obwohl er sich bester Gesundheit erfreue. Sie könnten jederzeit kleinere oder größere Beträge abheben. Er traue Ihnen zu, dass Sie die Mittel zweckmäßig und sinnvoll einsetzen würden. - Wie würden Sie auf diese Mitteilung reagieren?
Man könnte natürlich erst einmal irritiert nachfragen, ob es sich hier nicht um ein Missverständnis handelt. Von einer Adoption habe man nie gehört, könnte man einwenden. Und überhaupt, wer ist denn überhaupt dieser großzügige Erblasser? Wo ist der Haken an dieser Sache?
Der Notar würde vielleicht freundlich lächeln und so etwas wie, „das ist doch immer das gleiche“ vor sich hinmurmeln und in seinen Unterlagen blättern und schließlich Ihren Taufschein herausholen und Ihnen antworten: „Hier steht es, schwarz auf weiß, an dem und dem Tag sind Sie getauft und damit ein Kind Gottes geworden. Natürlich erinnern Sie sich nicht mehr an das Wasser oder wie der Pfarrer damals aussah, aber trotzdem hat Gott sich seit diesem Tag Ihrer angenommen. Sie dürfen also ruhig Vater zu ihm sagen. Insofern sind Sie rechtmäßiger Erbe und können sich nun entscheiden, was sie mit diesem Erbe machen.“
Soweit diese Szene, liebe Gemeinde oder vielleicht besser, liebe Kinder Gottes!
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ und wenn wir Gottes Kinder sind, dann sind wir auch seine Erben. Aber was ist denn jetzt dieses Erbe, das wir antreten können?
Gott vererbt uns 1. Freiheit, 2. eine furchtlose Hoffnung über unser Leben und 3. seine Herrlichkeit.


1. Freiheit
Eigentlich ist es ja paradox, liebe Gemeinde, dass wir gerade als Kinder Gottes frei sind von allen falschen Abhängigkeiten. Wer will schon gerne als Erwachsener oder Jugendlicher als „Kind“ angeredet oder gar so behandelt werden? Kind sein: heißt das nicht immer eigentlich abhängig von den Eltern und unselbständig zu sein? Das haben die meisten von uns doch hinter sich gebracht. Kinder wollen so schnell wie möglich erwachsen werden, auf eigenen Füßen stehen und eigene Entscheidungen treffen. Bei Paulus ist das ein wenig anders zu verstehen. Zu seiner Zeit gab es zwei Möglichkeiten mit zu einer Familie zu gehören, nämlich als Sklave oder als vollgültiges Familienmitglied, z.B. als Kind. Der Sklave war abhängig und der Willkür seines Herrn ausgesetzt und lebte in der ständigen Angst, nicht mehr genug Leistung bringen zu können und auf die Straße gesetzt zu werden oder misshandelt zu werden. Die Kinder der Familie dagegen hatten damals ganz andere Rechte und waren in diesem Sinne frei und natürlich, wie heute auch, erbberechtigt. Dies meint Paulus, wenn in unserem Text von Kindern Gottes die Rede ist. Der Heilige Geist macht uns nicht zu Sklaven oder Marionetten Gottes sondern zu gleichberechtigten Kindern, zu seinen Erben.
Darum brauchen wir uns als Kinder Gottes nicht klein und abhängig zu fühlen, sondern wir können unsere Freiheit und Möglichkeiten in Gottes Familie genießen. Denn Gottes Kind sein bedeutet nicht, sich vor ihm ducken zu müssen oder solche Sprüche hören zu müssen wie: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst..., musst du dich aber erst mal mehr anstrengen!“. Gott als unser Vater verlangt keine Leistung, wie ein Herr sie von seinem Sklaven verlangen kann. Er ist uns durch seinen Geist ganz nahe, ohne dass wir etwas dazu tun müssen und er hat uns lieb, wie Eltern ihre neugeborenen Kinder einfach nur liebhaben. Wir dürfen uns im Glauben seiner wohltuenden Nähe sicher sein und dürfen ihn ganz vertraulich unseren lieben Vater nennen und in dieser herzlichen Atmosphäre erwachsen werden. Denn Söhne und Töchter Gottes werden erwachsen und bleiben doch Kinder Gottes: mündige, eigenverantwortliche, freie und von Gott geliebte Menschen.


2. Furchtlose Hoffnung
„Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“ (Vers 15) Das Verhältnis zu Gott beruht also nicht auf Furcht oder Angst, um uns bei der Stange zu halten, sondern auf der kindlichen Zuneigung zum Vater, auf gegenseitiges Vertrauen, auf väterlicher Liebe und Fürsorge.
Furcht und Angst gehören zu dem knechtischen Geist, von dem Paulus redet und den erleben wir auch täglich immer wieder. Es gibt Ängste, die zur Lähmung werden. Solche Ängste können Menschen zu ihren Sklaven und Knechten machen. Im Großen ist das wohl zur Zeit der weltweite Terrorismus, besonders des IS. Durch die Medien kommt die Angst fast zeitgleich auch zu uns. Dinge von ganz weit weg haben auf einmal Auswirkungen auf unser Leben hier. Ohnmächtig können wir nur zusehen und haben das Gefühl, solchen Mächten hilflos ausgeliefert zu sein. Auch die empfohlenen Hamsterkäufe helfen nur bedingt, nicht dieser Angst vor einem großen Anschlag hier bei uns oder irgendwo sonst auf der Welt zu erliegen.
Daneben können auch ganz nahe, persönliche Ängste Menschen lähmen und den Blick trüben, können gefangen nehmen und beeinflussen. Wenn ich im Bett wach liege und die Fragen nicht gehen wollen: Wie werde ich mit der Schule fertig werden? Kann ich den Anforderungen genügen? Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Werde ich wieder Arbeit finden? Wird meine Ehe gelingen? Werde ich gesund bleiben? Wird die Rente reichen? Kann ich mir meinen Lebensstil auch im Alter noch leisten? Von solchen Fragen könnten sie sicher noch viel mehr stellen. Der knechtische Geist will, dass wir uns vor diesen Fragen fürchten, dass die Angst in unserem Leben größer ist, als die Hoffnung. Und so vollführt er sein versklavendes Werk und wir werden beeinflusst von Dingen, die uns unfrei machen. Erst wenn wir uns vor ihnen fürchten, gewinnen sie Macht über unser Leben.
Deshalb erinnert uns Paulus daran, dass alle Mächte und Gewalten dieser Welt nur vorläufige Macht über unser Leben haben, aber niemals das letzte Wort sprechen werden. Wir brauchen uns mit dem Geist Gottes an unserer Seite vor gar nichts zu fürchten. Denn dieser Geist Gottes stellt uns immer wieder die Geborgenheit bei Gott vor Augen. Wenn der Geist uns das schenkt, dann fällt alle Furcht ab, dann wissen wir uns geborgen in Gottes Liebe, von der uns keine Macht der Welt trennen kann.


3. Die Herrlichkeit
Wir haben einen kindlichen Geist empfangen, der uns zu Gottes Kindern macht, die erwachsen und selbständig, wach und aufmerksam ihr Leben leben. Das heißt nicht, dass alle schweren Erfahrungen oder Ängste oder Traurigkeiten auf einmal aufhören. In Vers 17 heißt es, daß wir auch mit Christus leiden. Die Kinder Gottes leben in dieser Welt, in der auch das Leiden dazu gehört, Leiden, das nicht erklärt werden kann wie das Erdbeben in Italien auf schreckliche Art wieder mal zeigt, Leiden das ganz groß sein kann. Aber diesem Leiden und den negativen Erfahrungen wird nicht das letzte Wort über uns zugebilligt. Wir bleiben nicht bei dieser Abhängigkeit stehen: „Auch wenn wir mit Christus leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“
Gottes Geist will uns bewegen, uns herausreißen aus den Ängsten und befreien aus der Knechtschaft der Resignation und aus der Lähmung der Angst indem er uns seine Herrlichkeit in Aussicht stellt. Das Leiden ist endlich, die Herrlichkeit Gottes ist unendlich. Dieses Erbe steht vor uns und es steht uns zu. Gott hat uns schon längst alles gegeben. Er lässt uns als seine Kinder in seiner Nähe sein, seine Nähe spüren. Seine Herrlichkeit steht den Kindern Gottes vor Augen. Gott läßt uns an seiner Zukunft teilhaben, er schenkt unserem Leben Zukunft. Jetzt!
Mit dieser Aussicht auf das Erbe Gottes, auf Gottes Reich und seine Herrlichkeit, können wir heute schon anders leben. Schwierige Situationen können im Lichte der zukünftigen Herrlichkeit Gottes angepackt werden. Wir bleiben nicht mehr Opfer der Umstände, der Krankheit, aller möglichen anderen Dinge. Wir werden handlungsfähig. Wir dürfen als Erben Gottes in dieser Welt handeln. Das heißt schon jetzt dieses Erbe der Hoffnung einzusetzen, sich jetzt schon davon bestimmen zu lassen, daß wir Gottes Reich vor Augen haben und seine Erben und Kinder sind. So können wir Verantwortung übernehmen, Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung, Verantwortung für unsere Mitmenschen, Verantwortung für den Frieden bei uns und in der Welt. Er traut uns etwas zu, nämlich mit seiner Herrlichkeit vor Augen und seinem Geist in unseren Herzen mutig zu leben als Kinder Gottes. In seiner Nähe, durch seinen heiligen Geist, brauchen wir uns nicht zu fürchten, egal was kommen mag. Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.