Tageslosung

Freitag, 19. Juli 2019
Mein Leben ist immer in Gefahr; aber dein Gesetz vergesse ich nicht.
Paulus schreibt: Ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn, da ihr in großer Bedrängnis das Wort angenommen habt mit einer Freude, die aus dem heiligen Geist kommt.

Predigt zu Heb 4,14-16 am 10.3.2019

Predigt zu Hebr 4,14-16 am 10.3.2019 in der Schlosskirche Meerholz

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Die Predigt zum Nachhören: Klick!

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!

„Guten Tag“, sagte der kleine Prinz. „Guten Tag“, sagte der Händler. Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu trinken. „Warum verkaufst du das?“ fragte der kleine Prinz. „Das ist eine große Zeitersparnis“, sagte der Händler. „Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche.“ „Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?“ „Man macht damit, was man will...“ „Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte“, sagte der kleine Prinz, „würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen.“

Der kleine Prinz hat in dieser kleinen Geschichte etwas erkannt, was uns in der heutigen Zeit immer mehr verloren geht, nämlich Gelassenheit, Zeit zu haben etwas langsam und gemächlich zu tun, sich zu freuen am Weg zum Brunnen, etwas in Ruhe zu machen. Ich habe das Gefühl, dass es heutzutage viele Händler gibt, die uns ihre Zeitsparpillen andrehen wollen und damit doch nur unser Leben immer hektischer werden lassen. Wollen sie uns doch einreden, dass wir die Dinge immer noch effektiver und schneller bewältigen könnten. Mit Ruhe und Gelassenheit hat das aber nix zu tun. Manchmal haben Menschen das Gefühl in all der Hektik am Leben vorbeizufahren, nicht mehr anhalten zu können, das Leben zu verfehlen und das nicht nur mitten Arbeits- und Familienleben, sondern manchmal sogar noch im Ruhestand. Weil wir aber die Ruhe brauchen, das Anhalten und das Innehalten, das Staunen und durchatmen, darum misst die Bibel der Ruhe eine große Bedeutung bei. Da ist zum Beispiel der siebte Schöpfungstag, an dem die Ruhe von Anfang an erschaffen wird: der Sabbat im Judentum, der Sonntag jetzt bei uns.

Daran anknüpfend wird im Hebräerbrief (aus dem heute der Predigttext kommt) die Ruhe zu einer göttlichen Verheißung. Das wandernde Gottesvolk, wird einmal zur Ruhe kommen. Der suchende und durch sein Leben hetzende Mensch, der von der Sehnsucht nach Erfüllung seines Sinns getriebene Mensch, wird zu seinem Ziel finden und zur Ruhe kommen.

Dazu will uns auch heute dieser Gottesdienst, dieser Sonntag am Beginn der Fastenzeit helfen. Wir werden daran erinnert, dass wir auf dem Weg in die große Ruhe sind, wo wir aufatmen, Kraft tanken, gestärkt und ermutigt weitergehen können. Diese Ruhe bei Gott, die Gelassenheit ins Leben einkehren lässt, wird in jedem Sonntag, in jedem Gottesdienst aber auch immer dann, wenn jemand vor Gott in die Stille geht, vorweggenommen. Gott weiß, dass wir auf unserer Lebenswanderschaft auch die Ruhe- und Rastzeiten brauchen. Die Seelen vieler Menschen – auch wenn sie äußerlich scheinbar ganz viel Ruhe haben – sind manchmal rastlos. Die Fasten- bzw. Passionszeit kann die Gelegenheit sein, mal darüber nachzudenken, was mich so unruhig macht. Durch den Verzicht auf irgendetwas Zeit für Ruhe und Besinnung zu bekommen, eine Zeit des Anhaltens und Aufatmens.

Auch Jesus hat für dieses Bedürfnis ein Gespür. Er sagt: Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. In dieser Ruhe kann die Seele aufatmen, gesund werden und neue Kräfte sammeln. Jesus lädt dazu ein, bei ihm anzuhalten, abzuladen und Ruhe zu finden. Eingeladen sind die Vielbeschäftigten, die Familie, Arbeit, Vereine und ihr eigenes Leben irgendwie auf die Reihe kriegen müssen. Eingeladen sind aber auch die Nichtbeschäftigten, die niemand will und die deshalb unruhig werden. Eingeladen sind die Abgeschobenen, die unruhig darauf warten, dass jemand sie besucht und eingeladen sind die Gesellschaftslöwen, die vor lauter Besuchen und Kontakten die eigene Mitte verloren haben. Eingeladen sind die Ängstlichen, die jeden Morgen aufwachen und beunruhigt voller Sorge die Dinge des Tages erwarten. Eingeladen sind die Menschen, die mitleiden und unruhig werden am Zustand der Welt, am Unfrieden, an der Ungerechtigkeit, an Gewalt und Tod. Eingeladen sind die, die nicht zur Ruhe kommen können, weil eine Schuld ihr Gewissen schwer drückt. „Kommt zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken.“ sagt Jesus. Befreiung ist möglich! Der Verfasser des Hebräerbriefes nimmt diese Versprechen Jesu auf, wenn er in ganz eigenen Bildern und schwierigen Worten den Predigttext für heute formuliert: Hebr 4,14-16

Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

BGS: Da wir nun einen mächtigen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, Gottes Kind, so lasst uns am Bekenntnis festhalten! Wir haben einen Hohenpriester, der über unsere Schwächen Mitleid empfindet. Jesus wurde ja genau wie wir in allem auf die Probe gestellt, aber er entfernte sich nicht von Gott. Deshalb lasst uns mutig vor den Thron treten, an dem unser Unrecht vergeben wird, damit wir – wenn wir Hilfe benötigen – zur richtigen Zeit Barmherzigkeit empfangen und hilfreiche Zuneigung finden.

Wir sehen, auch Jesus ist auf dem Weg. Er kennt sich aus mit dem Reich Gottes, dass er durchwandert hat und er steht als der Hohepriester an der Nahtstelle zwischen uns Menschen und Gott. Zur Erklärung: Der Hohepriester ist damals im Judentum der höchste Diener im Heiligtum in Jerusalem. U.a. nimmt er am großen Versöhnungstag stellvertretend für das Volk Israel die Entsühnung vor. Er steht dafür ein, dass das Verhältnis zwischen den Menschen und Gott wieder Ordnung kommt. Und genau diese Funktion hat Jesus übernommen. Er nimmt uns ab, was uns von Gott trennt, er nimmt uns unsere Lasten und tröstet unsere Gewissen. Er ist die Brücke zwischen Gott und uns, zwischen Himmel und Erde.

Jetzt könnte man meinen, dass Jesus, der im Reich Gottes umherwandert, nicht viel mit uns, mit unseren Sorgen und Schwächen, mit unseren Ängsten und Nöten zu tun hat und weit weg ist. Deshalb wird im Predigttext sofort klargestellt: Jesus war genauso viel Mensch, wie wir. Er litt unter den gleichen Dingen des Lebens, im Text steht „Versuchungen“: aus Angst sich lieber auf sich selbst als auf Gott zu verlassen, mangelndes Vertrauen, gegebene Macht für sich selber zu benutzen, sich im Leiden von Gott abzuwenden… Eine paar dieser „Versuchungen“ wurde uns ja im Evangelium gezeigt. Er war Mensch, er war uns wirklich gleich, mit dem einzigen aber entscheidenden Unterschied, dass er sich durch nichts von der Macht und der Liebe und der Fürsorge Gottes hat trennen lassen. Für diese Trennung von Gott steht immer das Wort Sünde in der Bibel. Nichts hat sich zwischen ihn und Gott und gestellt und gerade deshalb, weil wir in Jesus die perfekte Einheit mit Gott haben, kann Jesus für uns zum Vermittler zwischen den Welten, der himmlischen und der irdischen werden.

Daraus ergibt schließlich die notwendige Schlussfolgerung, die in Vers 16 formuliert ist: Wir können und dürfen immer wieder vor den Thron der Gnade treten und hier Barmherzigkeit und neue Anfänge für unser Leben bekommen.

Thron der Gnade?, werden sie liebe Gemeinde fragen! Ein Thron ist immer der Ort an dem sich der König niederlässt und sein Volk empfängt. Gemeint sind also Orte, an denen wir Gott finden und aufsuchen können, und da gibt es viele. Zum Beispiel hier die Kirche, der Gottesdienst, wenn wir zusammen beten und singen, uns auf Gott ausrichten. Das ist der Thron der Gnade Gottes, sind die Gelegenheiten sich von ihm ent-lasten zu lassen und Ruhe zu finden für meine unruhige Seele. Der Hohepriester, der uns diese Ruhe im Tiefsten vermittelt, ist Jesus. Es sind nicht die menschlichen Priester oder Pfarrer die das tun. Jesus selbst begegnet uns hier. Er selbst verschenkt sich im Abendmahl. Er gibt uns Barmherzigkeit, damit wir mit uns selbst und anderen nicht mehr hartherzig umgehen müssen, er schenkt uns Gnade, wo wir mit uns selbst und anderen allzu oft ungnädig sind und verurteilen.

Neben diesem äußeren Ort, wo Gott uns begegnen kann und begegnen will, gibt einen Inneren Ort: unser Herz. Paulus bezeichnet einmal den Körper als Tempel Gottes und die Mitte unseres Körpers ist das Herz, ist die Seele. Tief in der Mitte unseres Lebens, da wo alles zusammengehalten wird, da ist auch so ein Thron der Gnade Gottes. Auch dahin können wir aufbrechen und zu Gott finden und entdecken, dass es in uns einen Ort der vollkommenen Ruhe gibt, einen Ort an dem ich einfach nur sein kann wie ich bin, ein Ort an dem Gott auf mich wartet und mir sagt: „Komm her zu mir, so wie du bist, mühselig und beladen. Ich will für dich sorgen und dir Erfrischung und neue Kraft geben, damit du zur Ruhe kommst und zum Einklang mit dir und mit mir und der Welt.“ Darum sind Zeiten der Stille wichtig, in denen ich mich im Gebet oder in der Meditation in diesen Ort versenken kann. Oder um es noch einmal mit dem Predigttext zu sagen: Lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.